Donnerstag, 12. August 2010

Wohnungsnot und Hausbesetzungen in Zürich, Teil 1: Wohnungsnot als Tradition

Ich möchte in diesem Blog ab sofort in mehreren Teilen etwas Einblick in die Zürcher HausbesetzerInnen-Bewegung geben und hierbei verschiedene Aspekte und Hintergründe mitberücksichtigen. Bevor ich demnächst einen Überblick über gegenwärtig besetzte Häuser in Zürich geben möchte, soll zuerst einmal dargestellt werden, warum Mensch in Zürich überhaupt ein Haus besetzten möchte, was die politischen, wirtschaftlichen, soziologischen Hintergründe sind. All das kann ich in diesem Rahmen natürlich nur als groben Überblick zusammenfassen. In diesem ersten Teil der geplanten Blog-Reihe geht es rein um die geschichtliche Entwicklung der Wohnungsnot in Zürich bis zum heutigen Tag. Im nächsten, 2. Teil, möchte ich überblicksartig auf die geschichtliche Entwicklung der BesetzerInnen-Bewegungen eingehen, bevor ich schließlich auf gegenwärtige Besetzungen zu sprechen komme. Quelle für diesen ersten, geschichtlichen, Teil war ausschließlich die auch in Buchform erschienene Dissertation von Thomas Stahel "Wo-Wo-Wonige!" (1).

Wohnungsnot als Tradition

Die Hausbesetzer-Bewegung in Zürich muss vor dem Hintergrund der Wohnungsnot gesehen werden. Denn diese ist, anders als in vielen anderen Städten, kein Produkt jüngerer Entwicklungen (zunehmende Immobilienspekulation, Folgen von Markt-Deregulierungen nach 1970) sondern regelrechte Tradition. Seit Beginn der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts begann mit dem Zuzug von Arbeitermassen eine Wohnungsnot, die im Grunde bis heute, nach weit über 100 Jahren, nicht bewältigt werden konnte. Anders als etwa im "Roten Wien", als binnen weniger Jahre 60.000 Wohnungen gebaut wurden und wo auch heute noch 1/3 der Wohnungen in städtischem, 1/3 in genossenschaftlichem Besitz ist, schaffte es das "Rote Zürich" (1928 bis 1938) nur auf wenige Tausend Wohnungen. Zum Vergleich: Wien verwaltet gegenwärtig 220.000 kommunale Wohnungen bei 1,7 Mio. Einwohnern. Zürich weist 2003 rund 7.000 kommunale Wohnungen auf - bei ca. 360.000 Einwohnern. Das sind 6 % aller Wohnungen. Gemeinsam mit den Genossenschaften macht das 25 % aller Wohungen (Wien, wie gesagt: ca. 65 %).

Die Stadt Zürich hat die Wohnsituation offensichtlich von Anfang an falsch eingeschätzt - und bis heute nicht aus diesen Fehlern gelernt. Zwar ist es alles andere als eine Selbstverständlichkeit, dass Stadt und Genossenschaften den Wohnmarkt dominieren, doch zeigen sich für die Menschen in solchen Städten doch gravierende Vorteile - ohne, dass die Wirtschaft dabei leiden würde, ganz im Gegenteil: Wer, anders als in Zürich, nicht 50 bis 60 % für die Miete an eine Art "Gutsherren" abführen muss, dem bleibt mehr Geld für andere Ausgaben: Konsumgüter aller Art (nur, um auch mal die wirtschaftliche Seite zu betonen - schließlich argumentieren die Befürworter eines "freien (privaten) Wohnungsmarktes" wirtschaftlich - allerdings sind dies die wirtschaftlichen Interessen einer winzigen Elite, die gleichzeitig auf Kosten der gesamtwirtschaftlichen Interessen gehen.

1896 verfügte Zürich über einen Wohnungsleerstand von 5 % - die Wohnungsnot bestand damals vor allem darin, dass die Mieten für viele Wohnungen zu hoch waren und die leistbaren Wohnungen überbelegt und oft unhygienisch waren. Bis 1905 sank der Wohnungsleerstand auf 0,28 % - die Stadt reagierte nun und baute erste kommunale Siedlungen und Höfe, eine Wohnbauförderung wurde eingeführt. Nach Ende des Ersten Weltkriegs sank der Wohnungsleerstand dennoch nahezu auf Null. Bis 1921 entstanden weitere kommunale Wohnbauten, doch rigorose Sparmaßnahmen beendeten diese daraufhin.

Erst ab 1926, und verstärkt ab 1928 ("Rotes Zürich") entstanden neue städtische Wohnbauten. Der Wohnungsleerstand stieg 1931 aber erst deswegen wieder an, da die Wirtschaftskrise viele Menschen zum Zusammenziehen in familiärem oder anderem Rahmen nötigte.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich nicht viel. Ab 1950 betrug die Leerstandsrate in Zürich nie mehr als 0,2 % - bis heute. In Zahlen bedeutet das: Von 1956 bis 1970 waren im Durchschnitt nur 34 Wohnungen frei. Die zunehmende Veränderung von Wohngewohnheiten - weniger Personen in größeren Wohnungen - ließ keine Entspannung am Wohnmarkt zu, wenngleich die Bevölkerungszahl von Zürich stagnierte bzw. aufgrund von Abwanderung in die Vorstädte sogar sank.

Wohnungsnot-Höhepunkte in den 80er-Jahren

1979 erreichte der Wohnungsleerstand mit 0,05 % ein neues Tief. Viele Altbauten, die immerhin günstige Mieten aufwiesen, wurden abgerissen. In diese Zeit fallen auch die zunehmenden Demonstrationen, Besetzungen und Aktionen eines Teils der jungen Zürcher Bevölkerung, die für mehr und leistbaren Wohnraum demonstrierten. Die Anfänge dieses zivilen "Widerstands" werden meist auf die gesellschaftlichen Umbrüche von 1968 zurückgeführt - wenngleich Zürich genau so wenig wie Wien kein großer Schauplatz von Demonstrationen und Revolten wie in Paris war oder in den USA war. 1988 sieht sich die Wochenzeitung (WoZ) am Wohnungsmarkt um und erfährt: "Bei den Wohnungsbesichtigungen stehen sich die Menschen auf den Füssen herum, was bei den kleinen Wohnungen nicht besonders verwunderlich ist. So vierzig bis sechzig Leute sind normal." Obdachlosenasyle weisen neue Rekordzahlen auf: Hunderte von Personen müssen abgewiesen werden, berichtet die Mieter-Zeitung 1988 von einer Obdachloseneinrichtung. Denn jene Wohnungen, die überhaupt frei sind (also ein paar Dutzend) sind in der Regel unleistbar oder ungeeignet. Doch selbst Gutverdiener werden in Zürich oft nicht fündig, wird weiter berichtet. Auf den freien Markt gelangen ohnehin nur jene Wohnungen, die nicht bereits zuvor über persönliche Konktakte weiter vermittelt werden konnten.

Der Wohnungsmarkt war Ende der 80er komplett "ausgetrocknet". Nicht zuletzt, da selbst Boulevard-Zeitungen die Wohnungsnot anprangerten (nebst jenen, die dies sowieso schon lange taten), änderte die Stadt ihre Politik und investierte wieder stärker in den kommunalen Wohnbau sowie die Wohnbauförderung. Aufgrund einer Rezession kam es von 1996 bis 1998 vermutlich erstmals in der Geschichte der Stadt zu einem Wohnungsleerstand von über 1000 Einheiten. Dieses Zwischenhoch ging jedoch rasch vorüber und schon 2002 befand man sich wieder dort, wo man 1989 auch schon war. Erschwerend - für jene, die in Zürich leben oder leben wollen - kommt dazu, dass die Mietpreise stets überproportional steigen und immer größere Anteile der Einkommen verschlingen. Frei nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage verlangt der Wohnungsmarkt in Zürich seinen Mietern das größtmöglich (un)zumutbare ab.

Wohnungsleerstands-Quoten im Vergleich

Die städtische Leerwohnungszählung vom 1. Juni 2009 ergab einen Leerstand von 108 Wohnungen in Zürich, das sind 0,05 %. In Wien, respektive Österreich, wird der Wohnungsleerstand übrigens statistisch gar nicht ermittelt. So gibt es Schätzungen von 8.000 bis 80.000 leeren Wohnungen. Der Wohnbaustadtrat von Wien schätz diesen auf etwa 30.000, wobei 10.000 für Renovierungen vorgesehen seien. Somit entspreche der Wohnungsleerstand in Wien etwa 2 % - was dem internationalen Schnitt entsprechen soll (Quelle: derstandard.at, 2009). Gleichzeitig wird davon ausgegangen, dass sich der Wohnungsleerstand in Wien seit 1991 stark verringert hat, von etwa 5 bis 6 % ausgehend. Vor allem Wohnungen im Hochpreissegment, wie etwa im Ersten Bezirk, wiesen eine überdurchschnittlich hohe Leerstandsquote auf (Quelle: Arbeitsgemeinschaft IS wohn.bau, 2000).

(1) Thomas Stahel: Wo-Wo-Wonige! Stadt- und Wohnpolitische Bewegungen in Zürich nach 1968. Paranoia City Verlag, Zürich 2005, S. 81-93

Freitag, 23. Juli 2010

unibrennt - ein bedeutender Schub für die zivigesellschaftliche Nutzung & Vernetzung im Web 2.0

Als das Audimax der Universität Wien am 22. Oktober 2009 besetzt wurde, geschah mehr, als nur das. Binnen weniger Stunden wurde nicht nur eine Webseite ins Leben gerufen, sondern auch eine Facebook-Seite gestartet und ein Twitter-Account angelegt. Es folgten ein Ustream-Account (Für Liveübertragungen via Internet, später, im Spätwinter, Anfang 2010, abgelöst durch einen neuen Ustream-Account), ebenso ein Youtube- und ein flickr-Account für Video- und Foto-Uploads. "Selbstverständlich" wurden natürlich auch rasch Email-Adressen (unibrennt @ gmail) eingerichtet, die Presse-Gruppe (Medienbetreung, Webseite redaktionell, Social Media) legte sich ein Presse-Handy zu und einige Wochen später startete das unibrennt-Wiki.

Was das für den Umgang mit Web 2.0 in Österreich bedeutet, wird nun allmählich klar. Meiner Meinung nach brachte die Audimax-Besetzung mit ihrer unibrennt Digital Community einen großen Schub für die zivilgesellschaftliche Nutzung und Vernetzung auf Facebook und Twitter in Österreich. Auch über die oppositionell zu verortende sogenannte Zivilgesellschaft hinaus, nämlich direkt in den Mainstream, hinterließ die unibrennt-Bewegung spuren. Social Media musste nun auch von Parteien als nicht zu vernachlässigender Kommunikationskanal anerkannt werden. Dass dies zunächst nicht der Fall war, lässt sich wohl am besten am Kommentar des damaligen Wissenschaftsministers Johannes Hahn erkennen, der am Tag zwei der Besetzung in einem ORF-Fernseh-Interview mit einem verschmitzten Lächeln allen Ernstes meinte- ich zitiere seine exakte Ausdrucksweise: "Die Spontanität von Spontis ist enden wollend." Die Spontanität dauerte immerhin 60 Tage an, davon zumindest 40 Tage mit teilweise unglaublich dichtem Programm (neben den gern verschmähten Partys, die immer seltener wurden, vor allem Gastvorträge, Diskussionsrunden, alternative Vorlesungen) und auch dichtem Besucherandrang - zuletzt war das besetzte Audimax bis auf über den letzten Rang hinaus gefüllt (also mindestens 800 [!] Personen, siehe auch Foto), als Jean Ziegler zu Vortrag und Diskussion erschien (übrigens nachzuhören und -sehen auf Ustream, bereits über 9.200 Views!) - und das einen Tag, bevor er genau das selbe bei 6 € Eintritt im (ausverkauften) Volkstheater tat, wo übrigens zwei unibrennt-Aktivisten auf die Bühne kamen um für die Ringdiskussionen im Audimax zu werben und von Ziegler unter Applaus des Publikums zum bleiben animiert wurden - es wurden zwei zusätzliche Sessel geholt - unibrennt berichtete (in diesem Fall sogar ein Bericht von mir ;)).

Dass die "Spontanität" so lange andauerte, daran trug sicher auch "Social Media" einen Gutteil bei, vermutlich sogar die Hauptverantwortung. Gut, auch ohne Web 2.0 oder Social Media hätte man eine Webseite ins Leben rufen können, die mit aktuellen Informationen gespeist wird. Aber ob man damit so viele Leute erreicht hätte, ohne sie direkt auf Facebook, Twitter, yotube, flickr, ustream usw. "abzuholen"? Wohl eher nicht. Der Vorteil von Web 2.0 / Social Media für soziale Bewegungen, zivilgesellschaftliche Initiativen, im konkreten Fall: unibrennt, liegt auf der Hand: Man ist nicht nur unabhängiger von der Berichterstattung in institutionalisierten Medien, sondern man beeinflusst deren Berichterstattung auch. Nicht selten wurde in Medienberichten (meist auf den Webseiten führender Tageszeitungen, häufig auf Basis einer APA-Aussendung) "...schreiben die Besetzer auf Facebook..." (oder ähnliches) als Quelle genannt. Ich erinnere diesbezüglich auch eine Aussage Robert Misiks (der als einer der ersten Publizisten im Audimax war, am 27. Oktober) bei einem Vortrag im Audimax (ebenfalls zum Nachhören auf Ustream, sehr empfehlenswert! Aussage zum "Livestream-Gucken" bei Minute 20:25), der meinte, wenn hier Plenum sei (das in den ersten Wochen häufig bereits Mittags oder am Nachmittag war), herrsche Stillstand in den Redaktionen Österreichs, da alle Livestream schauen würden. Das war natürlich eine Übertreibung, aber etwas wahres wird da schon dran sein. Es genügt ja schon, wenn alle JournalistInnen Livestream schauen, die sich zumindest ansatzweise mit Hochschulpolitik oder gesamtgesellschaftlichen Themen beschäftigen, Livestream vom Plenum eines besetzten Hörsaals schauen.

Twitter & Facebook

Als ich zum ersten Mal von Twitter hörte, das war vor der Audimax-Besetzung, war dies in Zusammenhang mit Armin Wolf, dem Anchorman der ORF-ZIB2, der als einer der ersten "prominenten" Österreicher Twitter nutzte. Was ich damit anfangen sollte, dass ein Nachrichtensprecher 140 Zeichen lange Tweets von sich gibt, war mir allerdings nicht klar. Das änderte sich aber grundlegend mit der Besetzung des Audimax, wo von den ersten Stunden an Facebook-, Twitter- und studiVZ-Adressen auf die große Leinwand projiziert wurden. Ich hatte damals bereits einen Facebook-Account, nutzte ihn aber nicht. Ich wurde rasch "Fan" der Audimax-Besetzung (als 117.) und verfolgte die Seite seither laufend und mit Begeisterung. Nebenbei etablierte sich dabei Facebook auch in meinem Privatleben - wobei mittlerweile viele Leute zu meinen Kontakten zählen, die ich erst durch unibrennt kennen gelernt habe, und teilweise erst seit unibrennt online sind. Ähnliches, aufgrund seiner geringen Reichweite (ca. 25.000 User) vermutlich noch krasser, auch auf Twitter: Anfang November startete ich meinen Twitter-Account, um Zugang zu "Echtzeit-Insiderinformationen" rund um das Audimax und unibrennt zu bekommen. Wie ich mittlerweile weiß, war ich nicht der einzige, der das so sah. Und viele "Tweeter", die heute über Politik, Gesellschaft, Soziales, Kultur oder ganz was anderes twittern, legten ihren Account aufgrund der Audimax-Besetzung, als unibrennt-Sympathisanten an. Manche - so wie ich - haben noch heute das unibrennt-Logo in einer Ecke des Profilbildes, obwohl unibrennt längst nur noch einen kleiner Teil aller Tweets ausmacht. Dass sich diese subjektive Erfahrung sehr wohl, in gewissem Ausmaß, verallgemeinern lässt, wird durch folgende Twitter-Analyse deutlich: In einer auf zweifache Weise um Spam-Accounts bereinigte und nur auf die Nutzung in Österreich konzentrierten Statistik liegt der unibrennt-Account auf Rang 13 - knapp hinter dem Internet-Pionier unter den Medien, @derStandardat und @webstandard, den PublizistInnen und JournalistInnen Armin Wolf, Ingrid Thurnher, Robert Misik, Corinna Milborn, Dieter Bornemann, Martin Blumenau, @fm4stories, zwei Bloggern sowie dem einzigen (!) Politiker unter den Top-10, den Grünen Christoph Chorherr. Alle anderen Accounts - seien es Medien, Promis, Blogger, Organisationen, Parteien, Institutionen, Unternehmen - was auch immer - liegen in dieser bereinigten Reichweite-Statistik hinter unibrennt.

Da unibrennt sehr viele Follower hat, die relativ neu bei Twitter sind (und häufig "unibrennt" als erstes zu ihren "followings" hinzufügen) und - da sie echte Menschen und keine Spam-Schleudern sind - nur wenigen, vielleicht ein paar Dutzend, anderen Tweetern folgen, zählen diese für die Berechnung der Reichweite viel mehr als jene, die hunderten oder tausenden anderen folgen, die dann logischerweise den unibrennt-Tweets in der Fülle der übrigen Tweets weniger Aufmerksamkeit schenken können und diese wohl häufig auch einfach übersehen.

unibrennt ist daher mit 831 Followern, die einen Ort in Österreich als "Location" angegeben haben, einer der "meistgefolgten" Accounts unter (den ca. 25.000) österreichischen Twitter-Usern. Insgesamt folgten im Juni 2010 3.377 Tweeter. Die Differenz zu 831 ist zum einen durch "echte" Follower in Deutschland und der Schweiz, in geringerem Ausmaß auch durch "echte" Follower in anderen Ländern zu erklären. Aber vermutlich an die 50 % dieser Follower dürften Spam-Accounts sein - die aber nur selten Österreich als "Location" nennen und daher für die Reichweite - ebenso wie "echte" Follower im Ausland, nicht berücksichtigt wurden. Von diesen 831 "echten österreichischen" (die FPÖ wäre stolz ;)) Followern sind wiederum 563 "in den letzten 28 Tagen" aktiv gewesen. Diese wiederum dürften derart junge Accounts mit wenigen anderen "followings" sein, dass unibrennt in der Österreich-Reichweite auf Platz 13 kommt.

Was ich daraus ableite ist, dass die Audimax-Besetzung und die dazugehörige "Digital Community" in Österreich hunderte Menschen zu Twitter gebracht hat. Diese wiederum, glaube ich in den letzten 8 Monaten beobachtet zu haben, sind die Basis und häufig auch der Anreiz für alternative, oppositionelle, kritische, subversive, zivilgesellschaftliche Initiativen, Vereine, Gruppierungen und Organisationen, sich auf Twitter zu registrieren um dort mit dem Pool aus mehreren Hundert, vielleicht auch Tausende, besonders medienaffinen Bruchteil der österreichischen Gesellschaft, zu kommunzieren. Dies ist weniger für die konkrete Mobilisierung zu beispielsweise Demonstrationen oder Unterschriftenaktionen von Bedeutung, sondern wohl eher aus dem Blickwinkel der "Meinungsführer"-Forschung. Diese hunderten, tausenden, gesellschaftskritischen Twitter-User verbreiten in Echtzeit Nachrichten, Blogbeiträge, Fotos, Videos, Informationen, Ankündigungen aus ihrem Umfeld und Interessensbereich - und geben jene Infos, die sie erreichen und als relevant erachten, an ihr persönliches, nicht auf Social Media befindliches, Umfeld weiter - oder via Facebook an ihren nicht-twitternden Freundeskreis. So macht schließlich ein Video von einem prügelnden Polizisten an einer Demo rascher die Runde, als manchen lieb ist. Und nach einigen hundert Views wittert manchmal auch schon ein/e Journalist/in die Spur - das Thema kommt auf die Online-Ausgabe einer Zeitung und zieht - wenn als bedeutend genug erachtet - weitere Kreise in anderen (herkömmlichen und alternativen) Online-Medien, schließlich mitunter auch in Printmedien, Radio und Fernsehen.

Twitter als Quelle alternativer Informationen und Nachrichten, Twitter als Plattform der Gegenöffentlichkeit. unibrennt als Katalysator dieser Gegenöffentlichkeit in Österreich. Das, wohl nicht als einziges, hat die Audimax-Besetzung der österreichischen Gesellschaft gebracht.

Donnerstag, 22. Juli 2010

Ausbruch! Blog gegen staatliche Repression in Österreich

Infolge des jüngsten Schlages staatlicher Repressionsbehörden gegen linke und zivilgesellschaftliche Personen und Vereine, wo auf Basis des banalen Vorwurfes, Mülltonnen angezündet zu haben, drei Wohngemeinschaften und ein Vereinslokal, das sich zufällig in der Nähe des Brandortes befand, verwüstet und - man muss es so nennen - geplündert wurden (neben PCs, anderen Datenträgern und Gegenständen nahm die Polizei auch die Handkassa des Vereins sowie den Tresor mit) sowie drei Personen - mittlerweile kam eine vierte dazu - in U-Haft gesteckt wurden und dort seit 6. Juli bzw. 20. Juli immer noch sitzen, kam es zur Gründung des Blogs "Ausbruch". Dieser Blog widmet sich einzig und allein (oder zumindest vorrangig) der staatlichen Repression in Österreich, die insbesondere seit Inkrafttreten des § 278a (der nun erweitert werden soll und dann auch u.a. JournalistInnen bedrohen würde) absurde Ausmaße angenommen hat, wie sich am Fall der monatelang (!) in U-Haft gesteckten TierrechtsschützerInnen spektakulär gezeigt hat, und wie sich nun im Fall von linken Kulturschaffenden und AktivistInnen, die sich u.a. gegen staatliche Repression (!) stark gemacht haben, zu wiederholen scheint. Die Vorwürfe und die Folgen ähneln sich in beiden Fällen auf verblüffende Weise: Die Vorwürfe sind banal (Stinkbombe in Kleidungsgeschäft, Mülltonnen angezündet), die Folgen an Unverhältnismäßigkeit kaum zu überbieten: monatelange U-Haft im ersteren Fall, in zweiterem Fall sind es immerhin schon mehr als zwei Wochen...

Die Absicht ist klar: Das Innenministerium unter Ministerin Fekter hat sich dem Kampf gegen die Zivilgesellschaft verschrieben, die per Selbstverständnis zumeist dem linken Spektrum zugeordnet werden kann (denn gleichzeitig scheint man auf dem rechten Auge blind zu sein: Obwohl Rechte "Aktionen" sich nicht bloß gegen Sachen wenden, sondern in erster Linie ganz konkret gegen Leib und Leben von Menschen, scheint der Staat zugleich willen- als auch ratlos, gegen die angeblich ach so gut beobachtete Neonazi-Szene vorzugehen): Egal ob TierrechtsaktivistInnen, GegnerInnen von Repression und Überwachungsstaat oder als nächstes womöglich jene, die sich als "unibrennt"-AktivistInnen verstehen - und mit Hörsaalbesetzungen und vereinzelt unangemeldeten Demonstrationen "organisierte Kriminalität" betrieben haben. Gut, bei den genannten Beispielen handelt es sich mehr um "Verwaltungsübertretungen" als um Kriminalität im Sinne des Gesetzes. Doch wer die anderen Fälle betrachtet, wird rasch erkennen, dass sich sicherlich Vorwürfe finden lassen, die die ganze Bewegung kriminalisieren. Irgendwo eine beschmierte Wand, irgendwo ein kaputtes Fenster - und schon lässt sich behaupten, es lägen organisierte Straftaten vor. Das geht schneller, als man glaubt, und ist effektiver, als es in einem Rechtsstaat eigentlich möglich sein sollte. Das ist das Beunruhigende.

In diesem Sinne: All eyes on Ausbruch! - Solidarität mit den von staatlicher Repression betroffenen AktivistInnen

PS [nachgetragen am 22.7., 18:10 Uhr]: Ab 12. Juni saß ebenfalls eine Person längere Zeit in U-Haft, die während einer Demonstration verhaftet wurde. Lese hierzu: http://www.abc-wien.net/?p=269

Mittwoch, 21. Juli 2010

2010: Linz ist wieder Provinz

Ein kleiner Rundumschlag nach fast einem Jahr Linz-Abstinenz

Ich will das hier ja gar nicht zu sehr ausbreiten, ich will auch gar nicht näher auf die Überschrift eingehen, ich sage nur rasch folgendes - es erscheint mir zu abstrus, als dass ich es für möglich gehalten hätte:

Ein Semester fast durchgehend in Wien verbracht (und das davor auch, die Semesterferien dann ganz wo anders). Man kommt nach Hause, in den schönen Linzer "Vorort", der den selben Namen trägt, wie dieser Blog (ja, genau: FMO!) - und verbringe nun diesen Dienstagabend erstmals seit langem wieder auf der geliebten "Ländn" - die Donaulände, neben dem blau leuchtenden Lentos.

Zuerst ist es ja nur ein harmloser Gedankenaustausch, zwischen mir und einem Freund, ob sich der architektonische Ideenreichtum in Linz wirklich schon mit bunt leuchtenden Betonklötzen erschöpft (schräg gegenüber des Lentos: das nun auch bunt, meistens blau bis violett, leuchtende Ars Electronica Center). Was dann folgt, wird aber immer merkwürdiger. Zunächst fragt man harmlos eine nahe sitzende Kleingruppe aus zwei Mädchen und einem Burschen nach einem Feuerzeug. Was kriegt man zur Antwort? "Ja, aber nur wennst uns hilfst, den Typen wieder loszuwerden. Bitte, hilf uns!" - ich halte das für einen Scherz der Drei, aber nein: "Bitte, hilf uns". Rasch stellt sich raus: die zwei Mädchen kennen den Typen nicht. Er sitz da und bedient sich an deren Getränkesortiment (Wein, Alk-Gemisch). Die Situation wird allmählich klar, man schlägt mal dem Typen vor, ob er denn nicht bitte gehen möge. Er steht auf, kontert, der Alkohol gehöre ihm, fragt, was das Problem sei, und beginnt sich aggressiv zu gebärden. Auch größte diplomatische Anstrengungen (wie: naja, irgendwie gehöre der Wein vielleicht ja doch nicht ihm, und vielleicht möge er denn eventuell einmal auch ein bisschen wo anders hingehen) zeigen keinen Erfolg. Im Gegenteil. Er tritt zuerst mit den Füßen ein paar Becher und Dosen Richtung Donau, dann wirft er die große gefüllte Plastikflasche hinten nach und packt schließlich die Weinflasche am Hals, schwingt ein bisschen damit herum, haut sie aber schließlich doch "nur" auf den Boden - direkt neben den Füßen eines der in Barfuß daneben sitzenden Mädchen. Der eigene, ruhige Ton ist nun nur noch schwer zu halten - man kann doch nicht ständig "gelassen" auf einen sein Aggressionslevel wie ferngesteuert konstant steigernden Menschen reagieren. Und einfach weggehen wäre nur auf den ersten Blick die vermeintlich "friedlichste" Lösung. Es wäre nicht nur feig, sondern unloyal, asozial, jenen gegenüber, die um Hilfe gebeten haben (nur, um mal ein bisschen auf gewisse "De-Eskalations-Strategien" einzugehen, die manch Unverbesserliche im Audimax, C1 und auch in der (B)Aula gepredigt haben). Zu diesem Zeitpunkt (als die Flasche flog) war aber schon ein weiterer Typ angekommen, der den anderen offenbar kennt und ihn sogleich mit "der ist schon ang'soffen" quasi pauschal entschuldigte. Nicht nur das: zunächst, bevor die Flasche flog, ging seine Argumentation noch in die Richtung "ich kenn euch nicht, weiß nicht, was da los ist, was ihr da macht - und überhaupt, wir räumen da neulich eure Glasscherben weg, was wollts ihr überhaupt" (offenbar zählen die beiden zu einer Art Straßenszene (in Linz sagt man vereinfacht einfach "Punks" dazu, könnte aber auch sein, dass sie eher dem (unsympathischeren, drogen- und aggresionslastigen Teil) der Freetekno-Szene angehören - die beiden Szenen überschneiden sich zumindest in Linz teilweise auch). Na wie auch immer: Als die Weinflasche zertrümmer war, gab es einen raschen Meinungsumschwung bei "Typ Nr. 2" - hat er doch gerade noch seine aufopfernde Scherben-Wegräumarbeit gelobt, schmeißt sein "Partner" wuchtig eine Flasche zu Boden) - ums kurz zu machen: Typ Nr. 1 wurde nun verbal stark von Typ Nr. 2 bedrängt. Sein bisher stark auf uns konzentrierter, aggressiver werdender, Fokus wird binnen ca. 30 Sekunden durch die verbale Torpedierung von der Seite zusehends von uns abgelenkt. Wir nützen die Chance, fliehen - und lassen uns 10 Meter weiter nieder ;) - was lernt man draus? Nix. Man muss hoffen, dass ein "Kollege" von solchen Typen auftaucht, der ihn zur Räson bringt.

Ähnliches bewies sich ca. 2 Stunden später vor der Stadtwerkstatt, die, kurz nach 24 Uhr, bereits am Schließen war. Auch für einen Werktag ungewöhnlich. Verkürzte Ferienöffnungszeiten? Jedenfalls sitzen nun alle, das sind ca. 30 Leute, auf der Treppe vis-a-vis des AEC. Zuerst ein kleiner Hundekampf (unfreiwillig natürlich, ein Hund war nicht angegurtet und hat im Anblick eines bestimmten anderen Hundes offenbar die Nerven verloren) - die zweite Auflage, wie uns wer aufklärte - dann, kaum in ein "eigenes" Gespräch zurückgefunden, der nächste Auftritt unten auf der Bühne: Ein großer, schlanker, aber muskulöser Mann, lange schwarze, zusammengebundene Haare, Mann, macht einen auf "Joker" (aus Batman). Er schreit laut herum, zumeist in Richtung eines zweiten, etwas kleineren, schüchterneren jungen Mannes, der ihm angeblich bei seiner Arbeit helfen solle und "den ganzen Tag nichts getan" habe. Er beschimpft ihn, fordert ihn zwischendurch aber immer wieder auf, er solle ihm helfen. Ja, wobei eigentlich? Beim rauftragen eines Tischen, eines Eis-Ständers und einer Tomaten-Topfpflanze (!) auf der ersten Zwischenebene der Treppenkonstruktion. Zwischendurch fiel ihm auch was runter, auch Sessel sollten noch raufgetragen werden, und irgendwie ging die Steinbedeckung der schräg zur Treppe verlaufenden Seitenmauer zu Bruch - außerdem wusste man nie so ganz, ob er die Sachen jetzt einfach raufträgt oder ob er sie doch lieber einfach runterwerfen will (eine Bierflasche und ein paar Dosen flogen diesen Weg schon) Von lautem, Lachen begleitet, wie man es eher aus Cartoons oder Actionfilm-Parodien kennt, machte zog der Typ sein Ding durch. Wichtige Anmerkung: Er war offenbar Mitarbeiter (seine große Gürteltasche deutet auf Kellner hin) in der Stadtwerkstatt, schrie selbst auch mal "I orweit do". Anmerkung Nr. 2: Ca. 10 Minuten vor seinem "Auftritt" waren zwei Bar-Mitarbeiterinnen, die den Laden dicht machten, unterwegs und haben sämtliche Glasflaschen eingesammelt und alle anwesenden Grüppchen freundlich darum gebeten, die Flaschen und sonstigen Müll mitzunehmen, da die Stadtwerkstatt sonst "wieder" eine Anzeige kriege.

Übrigens: Auch auf dieser Uferseite saß ein Grüppchen mit Hunden ("Menschen mit Hunden" als neues Synonym für "[Pseudo?]Punks"?) - und schimpfte heftig auf drei unserer Freunde, denen beim Nachhausegehen eine Flasche runterfiel. Die Beschimpfungen wurden noch dreckiger, als sie sich zu rechtfertigen begannen, sie hätten das doch nicht absichtlich gemacht. Die Moral wird dann am schirchsten, wenn man glaubt, irgendeine Moral vertreten zu müssen. So gesehen frage ich mich, wie effektiv die neue Punk-Politik in Linz [gibts das überhaupt?] ist, wo man Punks offenbar zu Putzpersonal umerziehen will - und raus kommen aggressive Sauberkeitsfaschisten (die dann ja selber auch nicht immer so sind, wie sies von anderen lautstark einfordern - aber das ist ja der Punkt bei dieser Ordnungsmoraloffensive, die hier eher unschöne Früchte zeigt).

ach ja, die Provinz

Und jetzt zum provinziell eigentlich relevanten Teil - das da oben waren nur bisher in diesem Ausmaß und in dieser Dichte ungekannte Aspekte eines werktäglich-abendlichen Linz an den beiden Uferseiten.

Es ist Dienstagnacht. Mitternacht. Die Straßenbahn stellt - wie alle anderen öffentlichen Verkehrsmittel der Stadt - ihren Dienst ein. Es gibt keine Nachtlinien - obwohl die letztes Jahr eingeführt wurden (aber offenbar nur für die Wochenenden, und übrigens ohnehin nur auf 3 Strecken). Man geht zum "Nahversorger", einem Billig-Laden, der als einzigen Öffnungszeitenhinweis "täglich ab 19 Uhr geöffnet" aufweist. Natürlich geschlossen (obwohl ich mich erinnern kann, dass der werktags immer bis 2 und an Wochenenden noch länger offen hatte). Man geht also - wie gesagt - zur Stadtwerkstatt - kurz nach Mitternacht - am Schließen. Auch hier hatte man werktags üblicherweise bis 2 Uhr oder länger geöffnet. Aber gut, es sind ja Ferien, alle in Italien, Mallorca, Kroatien und Türkei - oder was, etwa nicht?

Na dann geht man halt mal was essen... das ist in Linz grundsätzlich schon nicht einfach (wenn man nicht gleich ins Restaurant will), aber am Abend besonders schlimm. Im Gegensatz zu Wien gibt es nicht ansatzweise diese Dichte an Imbissbuden, schon gar nicht diese Vielfalt (oh ja, im Vergleich zu Linz sind die Wiener Kebab- und Würstelbuden samt vereinzelten Nudel-Buden extrem vielfältig - je nach Standort unterschiedliche Zutaten, Größen, Varianten...) - aber in Linz: ein Kebabstand am Hauptplatz, drei, mittlerweile alle vom selben miesen Anbieten, an der Landstraße. Ein Lichtblick beim Schillerplatz, aber von der Donau ist das dann schon 20 Gehminuten entfernt. Von den Würstelständen reden wir gar nicht. Mies, teuer. Jener Stand, wo das Essen am wenigsten mies ist, gilt in Linz dann den Connaisseuren als "Gourmet". Da die Stände in der Innenstadt alle mies sind, hat logischerweise jeder einen anderen Stand als "besten" in Erinnerung. Da man dann aber doch nicht ständig über die (enttäuschende) Qualität der Würstelstände reden will, einigt man sich üblicherweise darauf, den "Warmen Hans" (wohl aufgrund seiner mutigen Namensgebung) als "Kult" und "Feinschmecker-Tipp" zu bezeichnen. Wenn man dort aber einen Bosna bestellen will, kriegt man nur einen "Bosna-Burger", der in etwa so attraktiv ist, wie die "Semmel mit Bratwurstschnecke" bei Billa. Der letzte gute Bosna-Stand im Innenstadtbereich war meiner Ansicht nach jener, der vor dem (damals noch nicht gebauten) Lentos stand und in einem blauen Container untergebracht war. Klingt vielleicht nicht besonders verlockend - aber es war der beste. Das was man jetzt in Linz überall kriegt ist immer das selbe - bloß: es wird gefühlte drei Mal jährlich um 10 Cent teurer. Mittlerweile steht die kleine Bosna irgendwo bei € 2,10 oder drüber. Angefangen hat das ganze bei 20 Schilling bzw. 1,4 €. Schwacher Trost: Die Bosna schmeckt hier wenigstens nach Bosna - auch wenn es bessere geben könnte. In Wien hat sich die Kunst des Bosna-machens noch nicht wirklich durchgesetzt - und man hat sicher nicht bei den Meistern abgeschaut. Seltene Ausnahmen ausgenommen.

Allerdings: Unter 3 € geht in Wien gar nix. Während du in New York für 3 € in etwa drei Hot Dogs mit Ketchup, Senf und Sauerkraut essen kannst, kriegst du in Wien dafür nur einen - aber so groß, dass man fast eine Familie damit einen halben Tag ernähren könnte. Etwas weniger, dafür etwas besser, wär hier durchaus keine schlechte Idee. Und wozu liegt eigentlich in jedem Würstelstand das ganze Sauerkraut herum? Ums neben die Wurst zu patzen? Warum ist noch niemand außerhalb der USA auf die Idee gekommen, Sauerkraut - was typisch deutsch/bayrisch/österreichisches gibts kaum - in den Hot Dog zu... gut, hier müsste man sagen: stopfen; aber eigentlich sollte man das Brötchen ja aufschneiden, wie beim Bosna - für den allerdings schon eine Zwiebel-Curry-Sauce vorgesehen ist.

Soviel mal zur Ausgangslage ;) Um rasch zum Punkt zu kommen: es hatte alles zu. Alles, was selbst in Linz üblicherweise (auch werktags) nicht vor 4, oder gar nie, geschlossen hat, hatte schon vor 1 Uhr zu. Der "Warme Hans", der lahme Kebabstand am Hauptplatz (vom zweiten lahmen Kebabhaus red ich gar nicht, das ist die Worte nicht wert, ist mir egal ob der offen hatte oder nicht... da steht sogar ein Glückspielautomat drin... schon alleine das... aber um den gehts mir eigentlich gar nicht... nein, das ist einfach nicht die Rede wert), der McDonalds sowieso und weiter als das wollten wir auch nicht mehr gehen. Letzte Hoffnung: Der Leberkas-Pepi (ja, der heißt wirklich so!) - und tatsächlich: die Gestrandeten der Nacht finden sich beim Leberkas-Pepi ein, um sich noch ein paar Leberkas-Semmerl in den Mund zu schieben, bevor sie, so wie ich, glücklich mit einer Paste aus toten Tieren gefüllt, nach Hause fahren (oder gehen, wenn man in Linz wohnt und sich kein Taxi leisten kann). Ich habe ja das Glück, dass meine Heimatgemeinde das (Anrufsammel-)Taxi zahlt (machen fast alle Nachbargemeinden von Linz). Sprich: Ich fahre wenns sein muss alleine mit dem Taxi heim - den Rest zahlt die Gemeinde. So hab ich das zumindest verstanden. Und das erklärt dann auch, warum ein Taxifahrer wegen einer Person, die nur lahme 4,4 € auf 11 Kilometer zahlt, überhaupt nach hause bringen sollte.

Ja, es ist schön, wieder in Linz zu sein. Und wer glaubt, nach den Schilderungen am Anfang müsste ich mich ja schon auf die Bürgergestapo freuen, der irrt. Die Stadtwache, die Dobusch nach einer gewonnenen Wahl (vor der er eine Stadtwache ausgeschlossen hatte) grundlos der FPÖ, samt gesamten neuen Sicherheitsressort, quasi als Spielplatz für Hobby-... [überlegts euch selber was, hab keine Lust mir von der Partei, die das "freie Wort" des "einfachen, kleinen Mannes" hochhält eine Klage wegen meiner Meinung aufhalsen zu lassen. Und ja, die verklagen auch Blogs. Und ja, womöglich auch diesen, kleinen, unbedeutenden, irrelevanten] geschaffen hat. Eines kann aber gesagt werden: Jenem Mann, den SPÖ-Dobusch grundlos ein eigens geschaffenes Sicherheitsressort samt dutzende Mann (und Frau?) starker Stadtwache schenkt, wurde einst beim Bundesheer eine Offiziers-Karriere verweigert, aufgrund seiner Nähe zu rechtsextremen Kreisen. Viele würden ja behaupten, sowas gibt es doch nicht, dass man beim Bundesheer "zu rechts" sein kann. Aber ja, es scheint tatsächlich möglich, auch mal einen positiven Eindruck vom Bundesheer zu gewinnen. Das wäre eigentlich ein schöner, positiver Schlussatz, doch ich bevorzuge, zu betonen, dass ich der festen Meinung bin, dass eine Stadtwache A) prinzipiell und B) unter den tatsächlich schlechtest-denkbaren personellen Umständen die Lage in Linz nur verschlimmern, ja vielleicht sogar zum eskalieren bringen wird. Man stelle sich mal vor, wie von der FPÖ zusammengestellte Patrouillen mit Persilschein von der Stadt die Straßen "sicher" machen werden. Zeitungsberichte verlauten ja bereits, dass Dobusch nun doch allmählich etwas zurücksteckt und der Stadtwache, die nun irgendwie "Ornungsdienst" oder so heißen soll, weniger Rechte und weniger Waffen geben will. Das verstärkt den Eindruck, der FPÖ lediglich ein Spielzeug zum Wählerfang am rechten Rand zu geben, allerdings nur.

Dienstag, 20. Juli 2010

Wahre Gutmenschen

Der Chefpoet der Kronen-Zeitung, Wolf Martin, klärt auf: "[...] Ein guter Mensch ist wirklich gut, ein Gutmensch ist, wer nur so tut." (20.7.2010) - und schafft damit mehr neue Fragen als Antworten. Schließlich ist anzunehmen, dass die redaktionellen Mitarbeiter der Kronen Zeitung ihre Texte als einen "guten" Beitrag für ein "besseres Österreich" verstehen. Da die Krone aber den Beitrag von Menschen für Österreich, die selbst nicht in Österreich geboren sind (und weder reich noch prominent sind) grundsätzlich nicht besonders zu schätzen scheint, und daher Artikel und Kommentare, die für eine harte "Ausländerpolitik" plädieren als "guten" Beitrag für ein "besseres Österreich" verstehen, stellt sich die Frage: Sitzen die wahren Gutmenschen in der Krone-Redaktion?
 
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